Action People – Die integrative Band

Gesundheit durch Stärkung der Resilienz und Integration: Das Bandprojekt Action People aus München bringt seit 2017 Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrungen zusammen. Am 14. Dezember 2019 stehen sie beim Deutschen Rock & Pop Preis auf der Bühne.

„Wir sehen uns als internationale Band. Woher ein Musiker kommt, spielt keine Rolle für uns“, sagt Monika Staffansson selbstbewusst über das Projekt Action People, das sie 2017 in München ins Leben rief. Das erklärte Ziel war es, Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrungen in einer Popband zusammenzubringen und so einen Austausch zu schaffen. „Der Plan ist wunderbar aufgegangen, denn wenn sie bei den Proben über die Stücke diskutieren und an den Songs üben, kommen sie automatisch in einen Dialog.“

Um junge Mitglieder für das Projekt zu gewinnen, haben Staffansson und der musikalische Leiter der Band Francisco Arcón Infonachmittage in Flüchtlingseinrichtungen veranstaltet und Interessierte zu einem kleinen Casting eingeladen. Beiden war es dabei wichtig, dass die Jugendlichen idealerweise schon Grundkenntnisse auf einem Instrument haben, um gemeinsam eigene Songs einstudieren zu können. „Der Spagat zwischen professioneller Musik und dem Anspruch, alle in das Projekt zu integrieren, war der schwierigste Teil für uns“, sagt Staffansson.

Eigene Kompositionen für die aktuelle Besetzung

Die Band 2018 beim Nationenfest Wasserburg. (Foto: Beate Benstetter)

Am Anfang versuchte das Leitungsteam, möglichst alle Interessierten in das Bandprojekt einzubinden. Entsprechend groß war die Mitgliederzahl zu Beginn: Besetzt wurden neben Instrumentalparts auch zwei Solosängerinnen sowie ein Chor für Backing Vocals, sodass auch diejenigen mitmachen konnten, die bisher keine Erfahrungen mit Musikinstrumenten hatten. „Am Anfang haben wir versucht, wirklich alle mitzunehmen, aber dann gemerkt, dass das gar nicht geht“, erinnert sich Staffansson an die ersten Proben. Komponist Francisco Arcón hatte die ersten Lieder für die jeweilige Besetzung arrangiert und auf das Spielniveau angepasst, damit alle beteiligt sein können. Mit der Zeit wurden die Kompositionen komplexer, die Arcón mit der Band in seinem Tonstudio Sol professionell aufnimmt.

Eine Band wächst zusammen

Mittlerweile haben sich Action People auf acht Mitglieder zwischen 16 und 22 Jahren stabilisiert, die alle am Bandgeschehen beteiligt sind. Darunter ist auch der gebürtige Iraner Asef, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen ist. Anfangs hat er im Background-Chor gesungen, parallel aber wöchentlichen Einzelunterricht auf der Gitarre genommen, der durch Action People finanziert wurde. Inzwischen ist er so gut, dass er als Stammgitarrist in der Band spielen kann. Andere sind aus verschiedenen Gründen nicht mehr dabei: „Jugendliche haben eh schon viel um die Ohren. Aber Jugendliche, die fliehen mussten, haben multiple Lebensprobleme, die es ihnen erschweren zu üben und zu proben.“ Dazu gehört zum Beispiel, dass die Jugendlichen noch Deutschkurse besuchen, manchmal durch die Flucht psychische Probleme haben oder sich um bürokratische Dinge bei den Behörden kümmern müssen.

Auch Asef hätte die Band fast verlassen, obwohl es ihm so viel Spaß gemacht hat. Doch seine Ausbildung zum Hotelfachangestellten stresste ihn so sehr, dass er nicht mehr regelmäßig üben konnte und sehr unglücklich mit seinem Ausbildungsbetrieb war. Monika Staffansson half ihm dabei, einen Betrieb zu finden, in dem er sich wohler fühlte. Die Motivation für die Band kehrte daraufhin ganz von allein zurück.

Video

Mit Musik von Erfahrungen erzählen: Action People singen "Across the World".

Professionelle Live-Auftritte und eigenes Album

Im Jahr 2019 ist die Band gleich in zwei Kategorien für den Deutschen Rock & Pop Preis nominiert, der Mitte Dezember in Siegen vergeben wird. Das erste gemeinsame Album wurde daher auf Frühjahr 2020 verschoben – im Studio von Francisco Arcón hat die Band aber schon etwa zehn Songs erarbeitet. Monika Staffansson sieht gerade in der professionellen Ausrichtung der Gruppe ihre Stärke: „Es gibt viele musikalische Projekte in dieser Richtung, aber kaum etwas im Popbereich. Da waren wir lange Zeit die einzigen, die das mit professionellem Anspruch gemacht haben.“ Trotzdem musste die Projektleiterin die Erfahrung machen, dass man nicht ernst genommen wird, wenn man ein Pop-Projekt mit sozialem Charakter ins Leben ruft. „Wenn man nach Fördermitteln fragt, dann sagen einem die Leute, dass das ja ein ganz nettes Projekt sei, man es aber eben als Hobby machen solle. Ich habe das Gefühl, dass es in der Klassik wesentlich leichter ist.“ Die Finanzierung des Albums steht dementsprechend noch auf wackligen Beinen, doch Monika Staffansson ist zuversichtlich, immerhin bekommen Action People ihre Auftritte mittlerweile bezahlt. Neues Equipment kann die Band so schon selbst finanzieren.

Autor: René Gröger
Stand des Beitrags: 25. November 2019