Singen mit Studierenden

Ende 2014 wurde an der Universität Regensburg der Verein CampusAsyl gegründet. Seitdem unterstützen mehrere hundert Freiwillige geflüchtete Menschen und kümmern sich um deren Integration. Ein Teil der Initiative konzentriert sich auf die musikalische Begegnung: Jede Woche trifft sich eine Gruppe in der Regensburger Erstaufnahmeeinrichtung zum gemeinsamen Musizieren.

„Eins, zwei, drei im Sauseschritt, gehen alle Kinder mit!“, schallt es freitags aus der Regensburger Erstaufnahmeeinrichtung. Zehn bis 20 Kinder singen hier jede Woche und bewegen sich rhythmisch durch den Raum. Angeleitet werden sie von Studierenden der Universität und weiteren ehrenamtlichen Helfern. Unter ihnen ist meist auch die 23-jährige Marie-Christine Scholz, die erzählt: „Wir wollten die Gruppe möglichst offen für die Teilnehmer gestalten. Daher haben wir uns für möglichst simple Lieder entschieden, in denen die Texte leicht verständlich sind.“ Im Regelfall sind es etwa vier Freiwillige, die wöchentlich dabei sind. Außerdem wird die Gruppe von einem Gitarristen begleitet, der das harmonische Grundgerüst vorgibt.

Rasselnde Unruhe

Im musikalischen Helferkreis von CampusAsyl sind ca. 15 Studierende aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen aktiv. Vertreten sind etwa Lehramts-Studiengänge, Ingenieurwissenschaften und Soziale Arbeit; auch Nicht-Studenten aus Regensburg engagieren sich. Ein Honorar gibt es für die Arbeit nicht. Die finanziellen Mittel, bei denen es sich unter anderem um Vereinsbeiträge handelt, werden vor allem für Öffentlichkeitsarbeit oder Workshops mit externen Lehrkräften ausgegeben. Außerdem gibt es private Spender, die die Gruppe mit Sachmitteln unterstützen. So bekam Marie-Christine Scholz auch Rasseln und weitere Perkussionsinstrumente für die Kinder geliefert, um etwas Abwechslung in den Unterricht zu bringen. „Das war zwar eine total schöne Idee, aber bald haben wir sie nicht mehr verwendet. Es wurde einfach zu unruhig“, erklärt die Studentin. „Außerdem sind regelmäßig Tränen geflossen, da es bei den Kindern schnell Streit gab, wer auf welchem Instrument spielen darf. Nun überlegen wir, wie wir dem Ganzen eine Struktur geben können, die etwas weniger Lärm mit sich bringt.“

Flexible Kontinuität

CampusAsyl e. V. in Regensburg: Zahlreiche Helfer engagieren sich hier für die Integration von Geflüchteten. (Foto: Fritz Bielmeier)

Dass sich das Musikprojekt vor allem an Kinder wendet, hat sich erst mit der Zeit so ergeben. Parallel zum Unterricht am Freitag gab es lange Zeit noch eine feste Musikgruppe mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Gemeinsam haben die Teilnehmer hier Popsongs gecovert und sich über arabische Musik ausgetauscht. Im Gegensatz zur niederschwelligen Kindergruppe, bei der wegen der hohen Teilnehmerzahl nicht alle immer dabei sein müssen, ist bei so einem Projekt jedoch eine regelmäßige Teilnahme auf beiden Seiten wichtig. Das könne bei Studenten aber nicht immer gewährleistet werden, sagt Marie-Christine Scholz: „Manche sind nach dem Studium in eine andere Stadt gezogen oder studieren für ein oder zwei Semester im Ausland. Da bricht so eine Gruppe schnell wieder auseinander.“ Trotzdem hofft sie darauf, dass sich in Zukunft wieder eine Jugendgruppe bildet, die dann auch langfristig bestehen kann.

Professionelle Sessions

Neben dem wöchentlichen Singen in der Erstaufnahmeeinrichtung bietet CampusAsyl mittlerweile auch Workshops mit professionellen Musikpädagogen an. So sind 2017 in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Philharmonie unter dem Projektnamen „Musik schafft Heimat“ zum ersten Mal entsprechende Sessions veranstaltet worden. Künftig sollen sie öfter stattfinden und konzeptionell erweitert werden. Hierüber könnten dann auch andere Altersgruppen angesprochen werden, die mit den Kinderliedern nicht erreichbar sind.

Die Initiative

  • Der Verein CampusAsyl wurde Ende 2014 gegründet. Hier engagieren sich vor allem Studierende, aber auch Bürger*innen der Regensburger Stadtgesellschaft. Die Arbeit des Vereins beruht auf drei Säulen: Begegnung ermöglichen, Engagement stärken, wissenschaftlich fundiert arbeiten..

  • Kooperationen zwischen der Universität und der Regensburger Hochschule unterstützt der Verein ebenso wie Forschungsarbeiten zum Thema Integration und Inklusion von Geflüchteten. Finanziert wird der CampusAsyl e.V. unter anderem durch private Spenden und Fördermittel der Universität.
  • Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website des Vereins sowie in unserer Datenbank.

Zur Projektdatenbank.

Autor: René Gröger
Stand des Beitrags: 14. Februar 2018