Vom Klang der Welt

Ein Projekt aus Tanz-, Musik,- und Wortkunst mit internationalen und Chiemgauer KünstlerInnen, die Ihr Land verlassen mussten

OHNE FESTEN TERMIN | PITTENHART
Veranstalter: Hartmann, Annette

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Gemeinsames Singen und Musizieren Tanz Musiktheaterprojekte Berufsmusiker*innen/Musikstudierende

Beschreibung

Wie alles begann

In Pittenhart lebten in einem Haus u.a. 10 Syrer. Gleich zu Beginn erfuhr ich, dass einer von ihnen professioneller Ballett-Tänzer aus Damaskus ist. Ein anderer spielte die Oud und bat um ein Instrument, leihweise. So kam es, dass wir uns mit dem Musiker Herbert Walter trafen, mit dem ich schon lange zusammen arbeite. Nach diesem Treffen war die Idee geboren, mit Musik, Tanz und Geschichten ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, andere Leute zu suchen und zusammen zu bringen.

Über ein Schreiben an alle Helferkreise in der Region wurden alle bühnenerfahrenen Refugees zu einem Treffen eingeladen. Die Grundlage für das Projekt war geboren. Zunächst waren die Begegnungen noch sehr vorbehaltlich, es kamen zwei Senegalesen, der eine war Tänzer, der andere Trommler, es kamen drei junge Leute aus dem Iran und Afghanistan, zwei Eritreer, die singen und tanzen können und die Krar spielen, und ein nigerianischer Storyteller. Auch Stefan Fusseder, bekannter Akkordeonist aus dem Chiemgau kam sowie Corinna Spieth, Choreografin aus Traunstein. Und von Anfang an war Klara Führen, Erzählerin aus Prien, dabei.

Bei unserem ersten Treffen im Februar 2016 machten wir ein Teamspiel, das mit viel Spaß die Stimmung sofort lockerte. Zunächst hörten wir einander zu, jeder zeigte etwas von dem, was er konnte. Im weiteren Verlauf arbeiteten wir mit Teamspielen und bestimmten Übungen aus der Theaterpädagogik, was meist recht spaßig war. In zehn je Vierstündigen Proben wurde eine Reise entwickelt, die mit dem Mythos beginnt, wie der Klang auf die Welt kam. Alle Qualitäten der Akteure wurden eingebaut, miteinander verbunden und in Europa zusammen kommen gelassen. Mit dem Bedürfnis der Jugendlichen, die Moderne sprechen zu lassen, ist auch zum Ende hin ein HipHop Tanz zu erleben, bei dem alle mitwirken. Ganz am Ende wird mit dem Lied Kujakujajo die Friedensbotschaft von Ababakar, unserem senegalesischen Tänzer
gesungen.

Im Laufe der Zeit von eineinhalb Jahren, in denen wir unser Projekt vor ca. 1000 Zuschauern fünf Mal im Chiemgau und einmal in Weiden in der Oberpfalz zeigen konnten, wuchs die Gruppe immer mehr zusammen. Jede Probe war erst mal ein Wiedersehensfest. Mit den Aufführungen wuchs auch die Bühnenpräsenz, sowie der Mut, mit guter Energie und ohne Angst seine Lieder zu singen oder auch mal Deutsch zu sprechen, sodass die Aufführungen immer besser wurden. Wir mussten uns allerdings auch von einigen unserer Freunde verabschieden. Abschiebungsbriefe oder auch Wohnortwechsel hießen uns Abschied zu nehmen. Aber wie es auf Reisen ist, kamen andere KünstlerInnen zu uns und mit neuen Elementen wurde der Klang der Welt verändert und erweitert.

Worum es uns geht

Es geht in dem Projekt vor allem darum, über die Sprache von Musik, Tanz, Lied und Geschichten in Kommunikation zu treten, einander zuzuhören und Respekt für die einzelnen Ausdrucksformen zu erhalten. Das war auch eine wichtige Erfahrung für alle Beteiligten, denn in den Ländern, aus denen unsere Akteure kommen, ist man nicht so international ausgerichtet. Und es war für alle Beteiligten auch eine wunderbare, tragende Erfahrung, die darin mündete, zu sagen: "Wir haben unsere Familien verlassen, hier haben wir wieder eine neue Familie gefunden.“

Angestrebt ist Empowerment und gegenseitige Wertschätzung. Darüber hinaus sind gemeinsam gestaltete Module und Elemente (zunächst niedrigschwellig) über die kulturellen Identitäten hinaus wichtig. So haben wir einen Rhythmus - Klangkörper, bei dem alle mitmachen und einen choreografierten Tanz, in dem die verschiedensten Tanzschritte der Tänze, die unsere Leute mitbrachten, eingebaut wurden. Das war die schwerste Arbeit, aber jetzt ist es wie ein Markenzeichen, und die Musik dazu ist Europäisch.

Nicht nur innerhalb der Gruppe sondern auch im Publikum geschieht etwas

Sehr schön ist auch zu erleben, was im Publikum geschieht. Es kommen zu den Aufführungen die verschiedensten Menschen aus allen Kulturen und Nationen, und gemeinsam nehmen sie, nebeneinandersitzend, bunt gemischt begeistert Anteil am Bühnengeschehen. Es entsteht ein Miteinander-Gefühl, sodass einmal vergessen wird über Unterschiede nachzudenken - ein Miteinandergefühl von Mensch zu Mensch.

Das andere Bild zum Thema Flüchtlinge

Während meistbietend negativ geredet und die gesamte ZU FLUCHT schlecht gemacht wird mit populistischen Parolen, zeigt „Vom Klang der Welt“ eine ganz andere Seite: die Seite der Freude, des Miteinanders, der Begeisterung und Empathie für das Andere, Fremde, Ungewohnte. Unsere ProjektteilnehmerInnen haben etwas mitgebracht! Sie geben uns etwas und das macht sie selbst sehr glücklich. Immer wieder bedanken sie sich für diese Möglichkeit, etwas zu geben und gesehen zu werden, nicht als Nummer oder Refugee!!!! Sondern als Mensch.

Wir erhielten mit diesem Projekt am 5. Dezember 2017 feierlich den Integrationspreis 2017 der Regierung von Oberbayern überreicht.

Ausblicke und Weiterentwicklung
Zur Weiterführung: Wir haben das Projekt in anderer Form schon weiter entwickelt.

  • Es gab im Oktober 2018 den Teil „Afrika erzählt - Vom Klang der Welt 2“ in Unterwössen/Oberbayern.
  • Am 22. April 2018 werden wir uns in Unterwössen dem Orient widmen.
  • Ein dritter Teil, "Europa, Traum und Wirklichkeit" ist geplant, aber noch unsicher.
  • In Stuttgart werden wir eine Begegnung haben mit anderen geflüchteten Künstlern und dort im Lindenmuseum mit einem Teil unserer Gruppe und den Stuttgartern eine Performance „Vom Klang der Welt, eine Reise...“ realisieren, das wird am 5. Mai 2018 sein.
  • Das Projekt wird in dem Großformat mit allen (inzwischen auch neuen Akteuren, da einige uns verlassen mussten) noch einmal aufgeführt, anlässlich des Integrationspreises und zwar am 3. März 2018 im Kloster Seeon und wir sind sehr froh, dass das möglich ist.
  • Wir haben etliche Filmarbeiten gemacht und bereits eine DVD produziert. Jetzt werden wir noch einen kleinen Dokumentarfilm über das Projekt und seine Entwicklungen machen.
  • Außerdem werden wir uns treffen und zusammen feiern.

Wir danken auch sehr den Förderern und UnterstützerInnen dieser Arbeit. Die Fortsetzung wird vor allem von der Erzdiözese München-Freising finanziert. Ohne diese Unterstützung könnten wir nicht weiter arbeiten.

Wir freuen uns über viele neue Kontakte und Austausch- und Begegnungsmöglichkeiten.

Veranstaltungsleitung

Idee, Konzept und Durchführung: Annette Hartmann, Professionelle Erzählerin (zertifiziert vom Verband der Erzählerinnen und Erzähler - VEE)

Diese Veranstaltung richtet sich an

internationale und Chiemgauer KünstlerInnen, die Ihr Land verlassen mussten.

Ahmad Ruban tanzt einen SUFI-Derwischtanz, mit Oud und Ney begleitet. (Foto: Daniel Lebert)
Ein syrisches Lied - gesungen und getanzt mit Akkordeonbegleitung (Foto: Daniel Lebert)
Telefonie in allen Sprachen - ein Sprachklangkörper (Foto: Daniel Lebert)
Der Russische - ein choreografierter Tanz mit verschiedenen Tanzschrittelementen aus den Kulturen der TeilnehmerInnen (Foto: Daniel Lebert)
Hip Hop für Europa und die Welt (Foto: Daniel Lebert)
Der professionelle Storyteller Mutio Ishola aus Nigeria singt seine Geschichten in Yorouba oder erzählt auf Englisch. (Foto: Daniel Lebert)
Abschiedslied vom Frieden (Foto: Daniel Lebert)

Veranstaltungsort

Dieses Projekt bzw. diese Veranstaltung hat keine feste Veranstaltungsstätte. Es findet statt in Pittenhart.

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