International Music Education

Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes Welcome können geflüchtete Musiker*innen seit Oktober 2017 an einer 18-monatigen Qualifizierung im Bereich „International Music Education“ teilnehmen. Das Modellprojekt von der Stiftung Kultur Palast Hamburg soll musikalische Früherziehung von Kindern mit Sprachförderung und kultureller Kompetenz verbinden.

Ein Gespräch mit Dörte Inselmann, Intendantin und Vorstand der Stiftung Kultur Palast

Das Projekt „International Music Education“ läuft seit Oktober letzten Jahres. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Das Projekt wird bisher gut angenommen. In den Kindergärten ist man unserer Arbeit gegenüber sehr aufgeschlossen, denn sie wird als Chance gesehen, sich mehr interkulturelle und musische Kompetenz ins Haus zu holen. Das ist gerade dort ein wichtiges Thema, wo ein hoher Migrationsanteil in den Kindergärten vorhanden ist. Außerdem wächst mittlerweile auch auf Seiten der Geflüchteten das Verständnis für das Projekt – wie die Arbeit in der Kita abläuft und was so eine umfassende Ausbildung beinhaltet, muss ja erst einmal erfasst werden.

Welche Inhalte bietet das Programm „International Music Education“ an?

Die meisten unserer Teilnehmer*innen arbeiten täglich in ihrer jeweiligen Kita. Das heißt von Montag bis Donnerstag. Sie sind dort in einer festen Gruppe, in der sie auch einen Tandempartner haben. Das sind Erzieher*innen, mit denen sie zusammen arbeiten. Die Teilnehmer*innen erhalten eine Zusatzqualifikation in elementarer Musikpädagogik, die wir in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Hamburg vermitteln. Was die Geflüchteten bei uns in Fortbildungen lernen, setzen sie dort direkt ein. Wie andere Bundesfreiwilligendienstleistende auch lernen sie Pädagogik in Theorie und Praxis.

Was unterscheidet das Programm von anderen Bundesfreiwilligendiensten?

Der Unterschied beim BFD Welcome ist, dass er speziell für Geflüchtete konzipiert wurde. Darauf bauen wir auf. Wir wenden uns dabei aber gezielt an ausgebildete Musiker*innen oder an Pädagog*innen mit musikalischem Know-How. In diesem Bereich versuchen wir Wissen zu vermitteln. Das können zum Beispiel pädagogische Methoden sein, bestimmte Lieder oder Tänze, Vermittlungsansätze nach Edwin Gordons „Music Learning Theory“. Mindestens alle zwei Wochen haben die Teilnehmenden Seminare, bei denen sie durch Dozent*innen der Gordon-Gesellschaft und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg zu verschiedenen Schwerpunkten fortgebildet werden.

Welches Ziel steht am Ende der 18-monatigen Ausbildungszeit?

Insgesamt bieten wir Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Umfang von 240 Stunden an. Am Ende dieser Zeit sollen die Teilnehmenden dazu qualifiziert sein, dass sie in Kitas als Musiklehrer*innen arbeiten können. Viele der Geflüchteten haben oft sogar schon entsprechende Ausbildungen in ihren Heimatländern gemacht, die aber in Deutschland nicht anerkannt werden. Unser Programm soll sie dazu qualifizieren, auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß fassen und in ihrem Fachgebiet arbeiten zu können.

Musikalische Praxis und musikpädagogische Qualifizierung – die Teilnehmer im Programm werden 18 Monate lang auf eine musikalische Tätigkeit in Kindertagesstätten vorbereitet. (Foto: Stiftung Kulturpalast Hamburg/Jonas Walzberg)

Mit welchen Schwierigkeiten wurden Sie bei der Konzeption von „International Music Education“ konfrontiert?

Wir mussten die Bewerber für unser Programm mit den Kindergärten „matchen“. Das heißt, beide Seiten mussten sich erst einmal vorstellen können, miteinander zu arbeiten. Hierfür die passenden Teams zu finden, war schwieriger als gedacht, denn es hat eine ganze Menge an Hindernissen gegeben, die gelöst werden mussten, bevor es gepasst hat. Das können zum Beispiel Probleme mit der Aufenthaltserlaubnis sein oder Sprachschwierigkeiten. Diesen Zeitaufwand des Projekts haben wir eindeutig unterschätzt. Wir hatten über unsere jahrelange Arbeit ein gutes Netzwerk zu Kindergärten, Behörden und Unterkünften aufgebaut und waren davon ausgegangen, dass wir darüber leichter passende Bewerber finden. Am Ende gab es aber doch so viele Faktoren zu beachten, dass es zu einem komplexen Prozess wurde. Und so haben wir dreimal so lang gebraucht wie ursprünglich veranschlagt.

Worauf achten Sie bei der Auswahl der Bewerber besonders?

Musikalische Kompetenzen müssen auf jeden Fall vorhanden sein. Wir machen hier eine Musikalitätsprüfung mit Vorsingen. Außerdem müssen die Bewerber mindestens Deutschkenntnisse auf B1-Niveau haben, denn sonst wird es schwierig mit der Kommunikation in den Kindergärten. Wenn dann alle weiteren Dokumente vorliegen, versuchen wir, die Bewerber mit den jeweiligen Einrichtungen zusammenzubringen.

Das klingt sehr komplex. Da tauchen sicher immer wieder Aspekte auf, die Sie vorher gar nicht mitbedenken konnten.

Es ist ein Pilotprojekt, das in der praktischen Umsetzung noch am Anfang steht. Dementsprechend wachsen die Erfahrungen täglich. Das hat natürlich auch einen Einfluss auf die Konzepte und Inhalte, die je nach Erfahrungswerten angepasst oder geändert werden. Im März 2019 läuft das Projekt aus. Bis dahin wird sich noch sehr viel tun. Momentan sind wir auf der Suche nach weiteren Bewerbern, die für unser Projekt geeignet sind.

Das Gespräch führte René Gröger.

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Die Initiative

  • Das Pilotprojekt International Music Education ging im Oktober 2017 in die praktische Phase. Momentan nehmen 14 Geflüchtete im Alter von 19 bis 50 Jahren sowie 20 Kitas an dem Programm teil. Projektträger ist die Stiftung Kultur Palast Hamburg, die das Konzept hierzu in Kooperation mit dem BFD Welcome von STADTKULTUR HAMBURG und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg entwickelt hat. Gefördert wird das Projekt über den europäischen Sozialfond (ESF) und die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI).
  • Die Teilnehmer durchlaufen eine musikpädagogische Qualifizierung, werden sozialversichert und erhalten während der 18-monatigen Ausbildungszeit ein Taschengeld von 200 Euro pro Monat als Bundesfreiwilligendienstleistende.
  • Weitere Informationen zum Projekt gibt es in unserer Datenbank.

Zur Projektdatenbank.

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Stand des Beitrags: 31. Januar 2018