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08. Mai 2018

"Zuflucht Kultur" nennt sich nun "Zukunft Kultur"

Der Verein Zuflucht Kultur e.V. blickt auf vier erfolgreiche, spannende und inspirierende Jahre zurück. Was mit und durch die mittlerweile vier Operninszenierungen, drei musikalischen Programme und hunderte Auftritte des Chors und des Ensembles Zuflucht entstanden ist, hätte anfangs wohl niemand für möglich gehalten. Die Produktionen des Vereins gelten europaweit als Leuchtturmprojekte gelungener Integration und transkultureller Arbeit durch Musiktheater.
Gleichzeitig wurde in den letzten Monaten immer klarer: Mit den Zeiten, der politischen und gesellschaftlichen Großwetterlage ändert sich auch die Arbeit des Vereins. Denn aus Flüchtlingen wurden Angekommene, aus Fremden Freunde. Das vorübergehende Refugium, die „Zuflucht“, öffnet sich für ein Leben mit Kindergarten, Schule, Ausbildung, Beruf, Wohnung, Umfeld, Freundeskreis und kultureller Symbiose in einem neuen Land. Deshalb wird aus Zuflucht Kultur nun Zukunft Kultur.

Der polarisierende Begriff „Flüchtling“ ist nicht mehr zeitgemäß. Die Menschen, die zu uns kommen, wollen sich nicht einzig über ihre Flucht definieren. Es sind Khaled, Wissam, Maher und Rami – Koch, Erzieherin, Schüler und Marketing-Student, die mit uns leben und musizieren. Deshalb hat der Vorstand des Vereins in seiner Sitzung vom 28. April die Namensänderung beschlossen. Zukunft Kultur wird den transkulturellen Ansatz beibehalten und weiterhin in internationalen Teams arbeiten. Doch soll sich der Blick verstärkt auch auf weitergehende gesellschaftspolitische Themen richten: Migration, Macht, Europa oder auch Digitalisierung und virtuelle Realität. Die Oper und die Bühne sind nach wie vor Medium und Mittel der Wahl. Denn Kultur hat das Potential, unser aller Leben frei zu machen und zu bereichern – unabhängig von Religion, sozialer Herkunft, Gesinnung und Alter.

Die letzten Aufführungen unter dem alten Namen des Vereins finden in Stuttgart statt, seiner Geburtsstätte und dem Sitz unseres Vereins. Orfeo. Eine transkulturelle Oper wird am 10. / 11. und 12. Mai 2018 im Freien Musikzentrum Stuttgart-Feuerbach gespielt sowie am 14. Juni 2018 (Achtung, neuer Termin!) in der Stiftskirche Tübingen.
Zukunft Kultur geht im Sommer mit Giuseppe Verdis Don Carlos an den Start. Premiere feiert die Koproduktion mit dem Landesjugendorchester NRW am 31. August 2018 im Kulturhaus Lüdenscheid. Am 7. September geht es weiter an das Theater Düren und am 25. und 26. September 2018 nach Gent, zum renommierten Festival van Vlaanderen. Ausgangspunkt der Inszenierung von Bernd Schmitt und Birgit Angele ist die Person des Großinquisitors und dessen Prinzip „Wissen ist Macht“. Er weist nicht nur zurück ins 17. Jahrhundert und in die Zeit Philipps des Großen, sondern beschreibt auch sehr präzise unsere heutige Gesellschaft, in der alles um den Besitz von Daten kreist. Wo früher Spitzel, Spione und Denunzianten mühsam einzeln rekrutiert werden mussten, füttern wir heute selbst und freiwillig diese Maschine mit den privatesten Details aus unserem Leben und liefern uns damit globalen Konzernen aus.
Für 2019 ist eine digitalisierte Händel-Oper in Planung, in Kooperation mit der Popakademie Baden-Württemberg. Ideen für Auftrittsorte und Koproduktionen sind willkommen.

Was bisher geschah

Inzwischen haben sich rund 400 Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Ghana, dem Irak, dem Iran, aus Nigeria, Pakistan und Syrien an den Aktionen des Vereins beteiligt – unter anderem auch bei den politisch-sozialen Auftritten des Projekt-Chors Zuflucht.
Ungefähr 1.000 Beiträge im Fernsehen, im Radio, in den Printmedien und in Blogs erreichten laut der Social Impact-Analyse der Hochschule Heilbronn rund 500 Millionen Menschen und zeichneten mitverantwortlich für Willkommenskultur (Stand Juli 2017).

Die Stationen im Überblick

Così fan tutte (2014): 12 Aufführungen, unter anderem im Radialsystem Berlin, Gasteig München, Theaterhaus Stuttgart, in der Stadthalle Biberach, beim Deutschen Kirchentag und im Tollhaus Karlsruhe
ZAIDE. EINE FLUCHT. (2015): 14 Aufführungen, unter anderem im Theater Augsburg, Roxy Ulm, Stadttheater Pforzheim, Alte Kongresshalle München, Theaterhaus Stuttgart, bei den Europäischen Kirchenmusiktagen Schwäbisch Gmünd und den Internationalen Stuttgarter Stimmtagen
LaboAgen – Bist Du Künstler oder Terrorist? (2015): Premiere beim Internationalen Literaturfestival in Berlin, weitere 5 Aufführungen in Gerlingen bei Stuttgart und am Hofspielhaus München
Der Untergang der Titanic. Eine musikalisch-literarische Revue nach Hans-Magnus Enzensberger (2016): 8 Aufführungen, unter anderem im Mixed Munich Arts und bei den Schillertagen Marbach 2017
Idomeneo (2016) in Koproduktion mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen: 5 Aufführungen im Forum am Schlosspark Ludwigsburg, bei den EZB Kulturtagen und beim Lucerne Festival
Carmen (2017) in Koproduktion mit Opera Incognita: 8 Aufführungen im Mixed Munich Arts
Orfeo. Eine transkulturelle Oper (2018): 11 Aufführungen im Hofspielhaus München, 5 Aufführungen im Freien Musikzentrum Stuttgart und 1 Aufführung in der Stiftskirche Tübingen.

Politisch-soziale Auftritte des Chors Zuflucht, unter anderem beim Bürgerfest des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue, mit dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Jüdischen Museum, mit Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth im Bundestag, im ZDF bei Markus Lanz und Johannes B. Kerner, in Brüssel beim Greens Ideas Lab und Konzerten mit I Muvrini, beim europäischen Konsultationstreffen des World Humanitarian Summit der Vereinten Nationen und bei der Eröffnung der Generalversammlung der International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies, beides in Genf.

Dutzende Vorträge und Workshops, unter anderem auf Tagungen der Kultupolitischen Gesellschaft, Dramaturgischen Gesellschaft und des Goethe Instituts.

Auszeichnungen

Der bislang schönste Erfolg der Arbeit von Zukunft Kultur: Das ZDF-Format Die Anstalt erhielt für die Sendung mit dem syrischen Flüchtlingschor Zuflucht den Grimmepreis 2015 „für den Moment der Echtheit und Wichtigkeit“. Eben diese Ausgabe wurde noch ein zweites Mal geehrt. Die deutsche Sektion von Amnesty International zeichnete sie mit dem Marler Medienpreis für Menschenrechte 2015 aus. Direkt ausgezeichnet wurde der Verein mit dem Förderpreis der Pill Mayer Stiftung für interkulturellen Dialog 2016.

Quelle: http://www.zukunft-kultur.de