Open Piano for Refugees: Musik in öffentlichen Räumen

Alle dürfen spielen, alle dürfen zuhören: Unter dem Schlagwort „Open Piano for Refugees“ werden seit 2016 frei zugängliche Klaviere an öffentlichen Orten abgestellt und laden in deutschen und österreichischen Innenstädten zum Musizieren ein. Mit den gesammelten Spenden wird das soziale Musikinstitut DoReMi finanziert.

Es ist Samstagvormittag in Lindau am Bodensee. Touristen wimmeln umher und versuchen, sich am Hafen einen guten Selfie-Platz vor der Alpenidylle zu erkämpfen. Plötzlich bleiben einige Passanten irritiert stehen Musik erklingt. Ein junger Mann, leger in T-Shirt und Shorts gekleidet, sitzt in sich versunken an einem Klavier, mitten auf dem Rüberplatz. Mit geschlossenen Augen lässt er seine Hände über die Tasten gleiten. Vor dem Konzertflügel steht ein alter Gitarrenkoffer auf dem Boden, etwas Kleingeld liegt bereits darin. Auf einem weißen Informationsblatt steht: Open Piano for Refugees.

Das Aktionskonzept ist simpel: Konzertflügel werden kostenfrei bei Musikgeschäften ausgeliehen und an öffentliche, gut besuchte Plätze in der Innenstadt gestellt. Spielen darf jeder, der sich traut. „Die Open Pianos sollen den öffentlichen Raum kunstvoll beleben“, sagt der Gründer des gleichnamigen Vereins Udo Felizeter. „Wir wollen damit die Interaktion verschiedenster Gesellschaftsschichten und die Teilhabe von Minderheiten und sozialbenachteiligten Menschen fördern, um so für eine positive öffentliche Präsenz von Geflüchteten beizutragen.“

Bayreuth (Foto: Udo Felizeter)
Bayreuth (Foto: Udo Felizeter)
Bonn (Foto: Udo Felizeter)
Bonn (Foto: Udo Felizeter)
Bregenz (Foto: Udo Felizeter)
Bregenz (Foto: Udo Felizeter)
Dresden (Foto: Udo Felizeter)
Dresden (Foto: Udo Felizeter)
Lindau (Foto: Udo Felizeter)
Lindau (Foto: Udo Felizeter)
Linz (Foto: Udo Felizeter)
Linz (Foto: Udo Felizeter)

Klavierschule für Geflüchtete

Der Verein übernimmt dabei den Auf- und Abbau, den Instrumententransport und die Organisation von Konzerten an den Spielorten. Neben der Straßenmusik hat Udo Felizeter auch eine Klavierschule ins Leben gerufen, die „Piano School for Refugees“. Hier bekamen Flüchtlinge zunächst kostenlosen Klavierunterricht. „So wollten wir langfristig Geflüchtete in das Projekt integrieren. Unsere Schüler konnten dann selbst die Open Pianos bespielen und sich so ein Taschengeld dazuverdienen.“, erklärt der Gründer.

Aus der Klavierschule hat sich 2018 mit dem sozialen Musikinstitut DoReMi eine eigene Einrichtung herausgebildet, in der elf verschiedene Instrumentalfächer unterrichtet werden. Die Schule finanziert sich vollständig aus den Spenden, die Passanten und Zuhörer in den Gitarrenkoffer werfen, aus Musikpatenschaften von Spendern und aus den Beiträgen („Zahl so viel Du kannst“) der Schüler*innen. Am Musikinstitut erhalten Geflüchtete und sozial Benachteiligte gemeinsam interkulturellen Musikunterricht. Die Lehrkräfte, von denen viele eigene Fluchterfahrungen haben, unterrichten unter anderem Klavier, Querflöte, Oud und Saz und nach rund 70 Schülern und Schülerinnen zu Anfang waren es im Herbst bereits 135.

Ein wachsendes Projekt

Ein weiterer Aspekt ist die Konzertvermittlung. Denn neben der Organisation eigener Konzerte auf den Open Pianos vermittelt der Verein auch Musiker*innen. Wer für seine Veranstaltung noch nach einer passenden musikalischen Besetzung sucht, kann sich an Udo Felizeter und sein Team wenden, die den Kontakt zu ihren institutsnahen Ensembles und Musiker*innen vermitteln. Und so wächst das Projekt seit Sommer 2016 zur Freude von Udo Felizeter immer weiter: „In den letzten Jahren haben wir bereits 23 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz bespielt. Wir glauben fest an die Wirksamkeit unseres Konzepts und werden von der positiven Resonanz immer wieder aufs Neue bestärkt.“

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Die Initiative

  • Das Projekt „Open Piano for Refugees“ wurde im Juni 2016 von Udo Felizeter und Nico Schwendinger ins Leben gerufen.
  • Eine Übersicht, wo die Klaviere demnächst aufgestellt werden findet sich hier: http://openpianoforrefugees.com/standorte/#termine
  • Im Frühjahr 2018 wurde das soziale Musikinstitut DoReMi gegründet, an dem momentan 19 Musiklehrer*innen unterrichten.

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Autor: René Gröger
Stand des Beitrags: 17. August 2018