Roaches: Integrativer Weltrock aus Syrien

Rock, Jazz, Akustikfolk, Rap und traditionelle Musik aus Syrien: Was sich zunächst wie eine beliebige Aufzählung von Musikstilen liest, wird bei der Düsseldorfer Band „Roaches“ zusammengeführt. Im Frühjahr 2018 hat sich die fünfköpfige Gruppe gegründet und rockt seitdem die lokalen Konzertbühnen.

„Wir wollen nicht noch eine von diesen typischen Multi-Kulti-Bands sein, in denen alle Stile zu einer 'Weltmusik' gemixt werden“, sagt Kai Yantiri. Der Gitarrist bringt damit auf den Punkt, worum es ihm bei Roaches geht: „Unsere musikalischen Interessen sind sehr breit gefächert, aber der Kern ist Rock. Das spiegelt sich logischerweise auch in unserer Musik wider. Wir wollen uns nicht verstellen und Folklore machen, nur weil das vielleicht von außen betrachtet besser passen würde.“ Und doch gibt es in der fünfköpfigen Formation durchaus Platz für Experimente und für die Integration von Elementen, die für Rock eher untypisch sind.

Zuerst Cover-Versionen, dann eigenes Repertoire

Neben Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug ist so auch die aus der arabischen Musiktradition stammende Oud zu hören. Gespielt wird sie von Laith. Er flüchtete 2015 aus Syrien und fand über Umwege zur Band. „Mit ihm ist der integrative Ansatz unserer Gruppe eigentlich noch umfassender. Denn er ist nicht nur geflüchtet, sondern auch blind und schwerhörig“, erklärt Kai. Und Emil Hosh, E-Gitarrist von Roaches, ergänzt: „Es ist faszinierend, wie gut Laith trotz Blind- und Schwerhörigkeit sein Instrument beherrscht und dann auch wirklich mit uns zusammenspielt.“ Der 25-Jährige stammt selbst aus Syrien, was sich in dieser Konstellation als großer Vorteil erweist. „Wenn wir proben, gibt es natürlich immer mal wieder Situationen, in denen ich mit Laith arabisch spreche, um ihm genauer zu erklären, was wir anders spielen wollen oder was gut geklappt hat.“ Das sei besonders wichtig beim Erarbeiten von eigenen Songs. Gemeinsam haben sie zunächst bekannte Songs gecovert, gehen jetzt aber verstärkt dazu über, ein eigenes Repertoire aufzubauen. Hierbei ist ihnen wichtig, dass die individuellen Stärken jedes Musikers zur Geltung kommen. So werden gezielt ruhigere Passagen in die Songs eingebaut, damit sich die Oud gegen die lauteren Instrumente durchsetzen kann.

"Keine typische Multi-Kulti-Band": Roaches aus Düsseldorf verbinden unterschiedliche Musikstile zu einer rockigen Mischung. (Foto: Landesmusikrat NRW / Sandra Hoch)

Abseits des Bandprojekts geben Emil und Kai gemeinsame Musikworkshops an Schulen. Einmal pro Woche arbeiten sie mit circa 15 Schülern an Songs und schreiben Liedtexte. Gefördert wird das Projekt durch den Landesmusikrat NRW und soll unbegleitete minderjährige Flüchtlingen beim Spracherwerb unterstützen: „Deshalb machen wir mit ihnen Rap, da kriegt man schnell ein sehr gutes Gefühl für die Sprache“, erklärt Kai, der selbst jahrelang in einer Düsseldorfer Rap-Formation aktiv war. Mit Gitarren, Klavier und Perkussionsinstrumenten begleiten die Jugendlichen den Rap – je nach musikalischen Fähigkeiten. „Am Anfang sind wir mit Riesenerwartungen in das Projekt gestartet. Wir dachten, wir können da gleich ganz viel erreichen. Dann haben wir gesehen, dass die Schüler schon an der Belastungsgrenze sind. Die haben ja nicht nur Schul- und speziellen Sprachunterricht, sondern müssen sich oft auch noch mit Behördengängen, Anträgen und der Beschaffung von Dokumenten beschäftigen.“ Aus diesem Grund sehen die beiden Workshopleiter das Projekt eher als eine Ablenkung vom Alltagsstress für die Schüler. „Die haben hier keinen Druck, bestimmte Leistungen erbringen zu müssen. Es geht um den spielerischen Umgang mit der Sprache und darum, Spaß zu haben“, erklärt Emil Hosh. „Aber es ist beeindruckend zu sehen, wie sie sich trotzdem mühen: Wenn Kai und ich eine Pause einlegen, spielen sie einfach weiter und zeigen sich gegenseitig Sachen auf den Instrumenten oder feilen an den Texten.“

Von den Workshops allein können die Musiker nicht leben. Doch sie sind guter Hoffnung, dass sie mit Roaches bald mehr bezahlte Auftritte spielen können und arbeiten hart an einem eigenen Programm: „Wir haben schon einige Anfragen und wollen die Arbeit an unserem Bandprojekt noch mehr forcieren. Alle Bandmitglieder möchten das gern, und das ist erstmal das Wichtigste.“

Autor: René Gröger
Stand des Beitrags: 14. Juli 2018